Von Glurns über die Naturnser Alm nach Meran
Übersicht
Länge der Tour
85 km
Höhendifferenz
1700 m
Dauer
8 h
Schwierigkeit
Anspruchsvoll
Tourencharakter
Den zweiten Tag unserer Medium Tour lassen wir ruhig angehen. Gemächlich fahren wir auf dem Etschtalradweg bis nach Naturns. Bis hierhin sollte man sich seine Kräfte auch aufgehoben haben, denn von nun an geht es 1500 Höhenmeter am Stück bis zur Naturnser Alm. Von oben haben wir einen fantastischen Blick auf die Texelgruppe und das Meraner Land. Kurz darauf rauschen wir auch schon in die Tiefe, denn das Schöne ist: Die Höhenmeter, die man hochfahren muss, fährt man früher oder später auch wieder hinunter.
Beste Jahreszeit
Sommer, Herbst
Ausgangspunkt
Glurns
Endpunkt
Meran (340 m)
Kartentipp
Kompasskarte Vinschgau, Val Venosta: Wander-, Rad- und Skitourenkarte, 1:50 000, Kompasskarte Meran und Umgebung: Wander-, Bike- und Skitourenkarte, 1:50 000
Verkehrsanbindung
Mit dem Auto: Über den Reschenpass über Reschen–Graun–St.Valentin bis Glurns. Mit dem Zug: Mit einer internationalen Verbindung nach Bozen fahren, dort in den Regionalzug nach Meran einsteigen. In Meran umsteigen in die Vinschgerbahn und bis zur Endstation Mals fahren.
Einkehrtipp
Eisdiele »Zum Grünen Baum« in Glurns, Bar Krone in Laas, Naturnser Alm
Wegverlauf
Nach dem anstrengenden Tag gestern lassen wir es heute zunächst etwas ruhiger angehen. Wir rollen gemütlich stets bergab durch das Etschtal und lassen Apfel- und Marillenbäume an uns vorbeiziehen. Der erste Teil der Strecke bis Naturns unterscheidet sich nicht von der Routenführung der Vinschgau Lightversion.
Wir verlassen das mittelalterliche Städtchen Glurns und biegen links auf den Radweg entlang der Etsch. Wir fahren auf dem Vinschger Radweg, der uns von Schluderns in die Prader Sand führt.
Nach der Durchquerung von Prad fahren wir auf Feldwegen weiter in östlicher Richtung. Der Radweg führt uns bis an den Rand des Nationalparks Stilfser Joch und durchquert mehrmals geschützte Flussauen, in denen wir kurze Schotterpisten in Kauf nehmen müssen. Abgesehen von diesen kurzen Schotterabschnitten ist der gesamte Radweg asphaltiert.
Wir erreichen das berühmte Marmordorf Laas, wo wir einen ersten Zwischenstopp bei leckeren Marillenknödeln einlegen. Die Marmorsteinbrüche im Laaser Tal gehen auf die Römerzeit zurück. Laaser Marmor wurde schon in der Römischen Antike für die Meilensteine an der Via Claudia Augusta im Vinschgau verwendet. Hinter Laas und zurück auf dem Radweg fahren wir an einem verwilderten Abschnitt die Etsch entlang. Nach einer Weile erreichen wir Schlanders (Ortsteil Göflan), den Hauptort des Vinschgaus. Weiter geht’s nach Latsch am Eingang des Martelltales.
Wir erreichen Naturns, das etwa zwölf Kilometer vor Meran liegt. Auch hier gibt es wieder eine kleine Besonderheit: Der 5300-Einwohner-Ort Naturns gehört zwar geografisch noch zum Vinschgau, aber verwaltungsmäßig zum Burggrafenamt. Als Burggrafenamt wird der Etschtal-Abschnitt in der Nähe von Meran in Südtirol bezeichnet.
Bevor wir von unserem Etschtalradweg abzweigen, ist ein Besuch der kleinen, dem Heiligen Prokulus geweihten Kirche aus dem 7. Jahrhundert eine willkommene Gelegenheit für eine kurze Pause. Die Kirche birgt die ältesten Fresken des gesamtdeutschen Sprachraums. Ein neues, gleich neben der Kirche eröffnetes Museum, führt in einem vollständig unterirdisch angelegten Parcours in vier Raum-Zeit-Stationen durch Spätantike, Frühmittelalter, Gotik und Pestzeit. Für das Museum bringen wir heute leider nicht genug Zeit mit, nehmen uns aber fest vor, bei Gelegenheit die Zeitreise durch den unterirdischen Parcours nachzuholen.
Ab Naturns erfolgt der Aufstieg zur Naturnser Alm. Wir fahren stadtauswärts auf der Via Stazione, bis wir die Talstation der Materialseilbahn erreichen. Vorbei an Apfelplantagen geht es mal schattig, mal sonnig schnell ein paar Meter in die Höhe. Wir folgen immer der Teerstraße und den Wegweisern Richtung Nörderberg sowie Naturnser Alm. Nach etwa zwei Stunden zweigen wir links ab und erreichen über Schotter nach insgesamt drei Stunden den Parkplatz am Kreuzbrünnl. Weiter geht’s, stets dem Wanderweg Nr. 30 folgend bis zur Naturnser Alm auf 1910 Meter. Der Aufstieg von 1500 Höhenmetern am Stück wäre geschafft!
Zur Belohnung haben wir uns alle eine deftige Knödelsuppe verdient, um wieder zu Kräften zu kommen. Wir genießen noch eine Weile den traumhaften Ausblick, im Nordwesten ins Schnalstal, im Norden auf die Kirchbachspitze und rechts davon auf den Tschigat, bevor wir uns wieder in unsere Pedale klicken. Vor uns liegt die Abfahrt hinunter nach Meran. Bis auf eine kurze Unterbrechung können wir unsere Oberschenkel schonen – dafür werden jetzt unsere Zeige- und Mittelfinger sehr in Anspruch genommen. Wir sagen nur: Bremshebel.
Wieder auf dem Bike fahren wir durch den Bannwald bis zum Vigiljoch. Am Vigiljoch genießen wir die herrliche Aussicht bis hinein in die Dolomiten und zu den Ultner Bergen. Das Vigiljoch bildet den nördlichen Eckpunkt des lang gezogenen Zufrittkammes, welcher zur Ortlergruppe gehört und Funden zufolge bereits vor fast 10 000 Jahren als Übergang benutzt wurde. Nicht unweit des Gasthofes am Vigiljoch liegt die berühmte St.Vigil Kirche. Die sehenswerte kleine Kirche mit ihren Fresken aus dem 14. Jahrhundert markierte die Nordgrenze des Bistums Trient. Weiter fahren wir auf dem Wanderweg Nr. 34, bis wir das Designhotel Vigilius Mountain Resort erreichen. Ab dem Hotel fahren wir auf dem Eggersteig bis zur Kappelle St.Martin. Hier verlassen wir unseren Weg, um links in den Wanderweg Nr. 27 abzuzweigen. Der Wanderweg führt uns durch den Wassertalgraben zurück auf unseren alten Weg. Auf diesem erreichen wir über das Dörfchen Quadrat den Ortsteil Töll. Von hier sind es weniger als sieben Kilometer, bevor wir über Algund und die tolle Spitzkehrenabfahrt die Kurhauptstadt Meran erreichen und unseren zweiten Tag der Vinschgau- Durchquerung erfolgreich bewältigt haben.
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