Im Kraichgau zwischen Bretten und Sinsheim


Übersicht


Länge der Tour

57 km

Höhendifferenz

770 m

Dauer

1 h

Schwierigkeit

Mittel

Tourencharakter

Der Kraichgau, die Region zwischen Karlsruhe, Heidelberg und Heilbronn, ist ein sanftes Hügelland mit Höhen bis etwa 300 m und weiten Tälern, durch die früher wichtige Fernstraßen liefen.

Beste Jahreszeit

Frühling, Sommer, Herbst

Ausgangspunkt

Bretten

Endpunkt

Etappenabhängig

Verkehrsanbindung

Anschlussstelle 44 (Pforzheim-Nord) der A 8 Karlsruhe – Stuttgart und B 294 nach Bretten

Einkehrtipp

Bretten Restaurant Krone, Do Ruhetag, Gochsheim Landgasthof Krone, Mi Ruhetag, Sulzfeld Restaurant Burg Ravensburg, Mo und Di Ruhetag, Eppingen Wirtskeller St. Georg, Mo und Sa erst ab 17.30 Uhr

Wegverlauf

Heute führen die Autobahnen um diese Region herum, wodurch der Kraichgau weitgehend beschaulich geblieben ist. Einige der Städtchen wie Bretten, Gochsheim und Eppingen haben sich ihr historisches Zentrum bewahrt. Weinberge ziehen sich immer wieder die Hänge hinauf, und in den Winzerorten wie Sternenfels und Kürnbach bieten Weingüter, Winzergenossenschaften und Besenwirtschaften den heimischen Schwarzriesling oder Trollinger an.
Melanchthon-Stadt Bretten.
Ehe Sie Ihre Tour beginnen, lohnt sich ein Gang durch die Altstadt von Bretten mit dem von Fachwerkhäusern umgebenen Marktplatz und dem steinernen Melanchthon-Haus, das mit seinen verzierten Portalen und Türmchen gotisch anmutet. Es wurde um 1900 erbaut als Gedächtnisstätte für den Reformator Philipp Melanchthon (1497–1560), dessen Geburtshaus hier gestanden hatte. Über die Lederverarbeitung informiert anschaulich das Gerberhaus in der Gerbergasse im südöstlichen Bereich der Altstadt an der noch teilweise erhaltenen Stadtmauer, wenige Meter entfernt vom Simmelturm.
Zuckerbäckermuseum und Bügeleisenausstellung.
Auf Landstraßen fahren Sie in das im Tal des Kraichbachs gelegene Städtchen Gochsheim. Das Auto stellen Sie am besten auf dem Parkplatz in der Vorstadtstraße unterhalb der Altstadt ab. An diesem Südhang wurden Gärten angelegt, die durch 350 Jahre alte Trockenmauern gehalten werden. Von hier kann man zunächst mit dem Spaziergang (1) beginnen oder über die Schlosstreppe auf den schmalen Hügelrücken gehen, auf dem das einst befestigte Städtchen liegt. An der Hauptstraße stehen alle wichtigen Gebäude: die Martinskirche (1703) mit barockem Turm, das Renaissance-Schloss, einst Sitz der Grafen von Eberstein, heute Museum der Stadt Kraichtal mit der weltgrößten Bügeleisenausstellung sowie einer umfangreichen Kunstsammlung des Malers Karl Hubbuch (1891–1979), das Badische Bäckereimuseum in der ehemaligen Backstube und das Zuckerbäckermuseum, in dem man sich über die Herstellung von Marzipan und Schokoladeneiern informieren kann.
Heimat von »Herrn Biedermeier«.
Von Gochsheim geht es im Tal des Kraichbachs weiter in das auseinandergezogene Dorf Flehingen, das ursprünglich aus zwei Dörfern bestand: aus Flehingen und Sickingen. Im östlichen Teil stand an der Stelle der heutigen Schlossgartenhalle die Tiefenburg des einst mächtigen Geschlechts derer von Sickingen. Die prächtigen Grabmale der Ritter von Sickingen sind in der gotischen Magdalenenkirche auf dem »Burghügel« zu bewundern. Im westlichen Ortsteil, dem eigentlichen Flehingen, stand einst eine Wasserburg. An der gleichen Stelle wurde im 17. Jahrhundert das Metternich‘sche Wasserschloss erbaut, das heute ein Bildungszentrum ist. Flehingen ist auch die Heimat von »Herrn Biedermeier«, der eigentlich Samuel Friedrich Sauter (1766–1846) hieß und ein Dorfschulmeister mit Hang zur Lyrik war. Über 500 Seiten füllte er mit Gedichten, in denen er vom Leben der biederen Leute erzählte. Einem Arzt namens Kußmaul aus Karlsruhe erschienen sie einige Jahre später als komisch und er gab sie als Gedichtesammlung mit dem ironischen Titel »Buch Biedermeier« neu heraus. Der Name Biedermeier bezeichnet heute die Zeit zwischen 1815 und 1848.
Weinbauern und Sandbauern.
Von Flehingen ist es nicht weit nach Oberderdingen, einst ein kleines Winzerdorf, heute eine von Industriebetrieben geprägte Ortschaft. Ländlich-idyllisch wirkt jedoch noch das Zentrum mit seinen Fachwerkhäusern und der Kirche. Keimzelle des Ortes war ein Pfleghof des Klosters Herrenalb, der Oberderdinger Amthof, der heute noch immer von einer Wehrmauer umschlossen ist. Südlich des Ortes erstreckt sich das Naherholungsgebiet »Derdinger Horn«, zu erreichen über das »Hornsträßchen«. An diesem schönen Aussichtspunkt informiert das »Weinplateau« über die Weinbautradition des Ortes und die Arbeit eines Weinbauern; hier beginnt ein Weinlehrpfad (2). Auch in dem auf 300 m Höhe gelegenen Ausflugsort Sternenfels wird Wein angebaut. Doch früher lebten die Einwohner nicht nur vom Weinbau, sondern arbeiteten im 18./19. Jahrhundert auch als »Sandbauern« in den rund 50 Sandmühlen. Dort wurde der abgebaute Stubensandstein zu Scheuersand zermahlen, der damals ein begehrtes Putzmittel für Holzfußböden und Holzgeschirr war. In der Heimatstube im Aussichtsturm auf dem Schlossberg und auf dem Stubensandsteinweg (3) kann man sich über diesen Beruf informieren.
Schwarzriesling und Riesling.
Der nächste Ort an der Autostrecke ist der Weinort Kürnbach, der aufgrund des hier angebauten Weins als »Schwarzriesling-Dorf« bezeichnet wird. Über die Geschichte des Weinbaus informiert ein Weinlehrpfad (4), über die Wirtschaftsgeschichte Europas seit 1606 das Aktienmuseum. Auch in Sulzfeld hat der Weinanbau eine lange Tradition. Die Winzergenossenschaft und mehrere Weingüter bieten ihre Weine an. Dazu gehört auch das Weingut Burg Ravensburg, dessen Spezialität u. a. der Riesling ist. Die Reben wachsen z. B. am Hang des Hügels, auf dem die gut erhaltene Ravensburg steht. Im inneren Burghof, der über eine Brücke zugänglich ist, sind der Bergfried, ein Brunnenschacht sowie ein Renaissance-Palas erhalten, in dem ein stilvolles Restaurant eingerichtet wurde.
Fachwerkstadt Eppingen.
In Eppingen, das im Jahr 1188 freie Reichsstadt wurde, gruppieren sich mehr als 100 Fachwerkhäuser um das älteste Gebäude der Stadt, den Pfeifferturm: u. a. das Baumann‘sche Haus (1582), heute Hotel Wilde Rose, die ehemalige Ratsschänke (1388), die Alte Universität (1495), während der Pest im Jahr 1564 zeitweise Ausweichstelle der Universität Heidelberg, heute Stadt- und Fachwerkhaus-Museum. Hier wird man über verschiedene Verstrebungstechniken informiert, ebenso auf dem Fachwerkpfad zwischen Altstadt und Bahnhof.
Burg Steinsberg – der »Kompass des Kraichgaus«.
Über Adelshofen und Hilsbach erreichen Sie den Weinort Weiler. Schon von Weitem weist Ihnen der Bergfried der Burg Steinsberg den Weg, weshalb die auf einem isolierten Bergkegel stehende Burg als »Kompass des Kraichgaus« bezeichnet wird. Vom Parkplatz unterhalb der Burg gehen Sie steil bergauf und erreichen durch zwei Mauerringe den von einer 10m hohen Mauer umschlossenen Burghof. An die Mauer angebaut sind die einstigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, in denen sich heute eine Gaststätte befindet. Den Ausblick genießen kann man nur von dem achteckigen, knapp 30 m hohen Bergfried, der im 13. Jahrhundert aus Buckelquadern erbaut wurde. Von hier ist es nicht weit zur Anschlussstelle 33 (Sinsheim) an der A 6. Wer noch nicht »museumsmüde« ist, kann sich im Sinsheimer Industriegebiet das umfangreiche Technik- und Automuseum ansehen.
Spaziergänge.
(1) Zum Aussichtspunkt bei Gochsheim.
Vom Parkplatz in der Vorstadtstraße unterhalb des Schlosses gehen Sie in westlicher Richtung am »Scharfrichterhaus« mit seiner bemalten Fassade vorbei zur Hauptstraße. Sie halten sich rechts und überqueren den Kraichbach. Rechts vom Gasthaus Krone wandern Sie auf eine Anhöhe und stoßen auf die historische »Hohe Straße«. Rechter Hand finden Sie einen Aussichtspunkt mit Blick auf die Altstadt. Sie steigen wieder ab und kehren entlang der Stadtmauer zur Vorstadtstraße zurück. Wer möchte, geht über die Schlosstreppe hinauf in die Altstadt (ca. 2 km / 40 Min.).
(2) Weinlehrpfad in Oberderdingen
Start ist am »Derdinger Horn«, südlich von Oberderdingen. Von diesem Aussichtspunkt mit Wanderhütte führt der Lehrpfad zum Aussichtspunkt Bergwald, zum Bernhardsweiher und durch Weinberge zurück (4 km / 1 ½ Std.)
(3) Der Sandbauernweg in Sternenfels
Beim KOMM-IN in der Maulbronner Straße beginnt die Kurzwanderung auf dem ausgeschilderten Sandbauernweg, der hinaufführt zum Schlossbergturm und hinunter durch das einstige Abbaugebiet des Stubensandsteins. Nach Diefenbach (Einkehrmöglichkeit), vorbei an einem Rotwildgehege und einem Freibad, durch Streuobstwiesen sowie Weinberge und über den Aussichtspunkt Augenberg kehren Sie zurück nach Sternenfels. Am Weg gibt es Informationstafeln (5 km / 1 ½ Std.).
(4) Weinlehrpfad in Kürnbach
Der Wanderweg (Markierung: Traubensymbol) beginnt am Parkplatz »Seitzeklinge« und bietet als »Panoramaweg« Ausblicke auf die Kraichgaulandschaft. Am Weg gibt es 22 Informationstafeln (2,5 km / 45 Min.).

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