Schmuckkästchen der Pfalz Am sonnigen Ostfuß der Haardt liegen wie an einer Perlenkette Weindörfer, die der Zerstörung in den Kriegen vergangener Jahrhunderte entgangen sind und mit ihren Wohnbauten und architektonisch geschlossenen Straßenzeilen zu den schönsten Deutschlands zählen. Der Luftkurort Sankt Martin ist eines der berühmtesten unter ihnen. Winzer- und Adelshäuser des 16.–19. Jh. säumen die Gässchen, charakteristisch sind die hausmarkengeschmückten Torbogen, die Heiligenfiguren in den Nischen, die Erkerhäuser und Giebel und die zahlreichen Einkehrstätten in einem Dorf, in das buchstäblich der Wein hereinwächst. Das herausragende Denkmal ist die Martinskirche auf einem Hügel am Nordrand des Dorfs. Das Kirchdorf ist im 7./8. Jh. aus einer dem fränkischen Nationalheiligen Martin von Tours geweihten Kapelle der Merowingerzeit hervorgegangen und ist der einzige Ort in der Bundesrepublik, der den Namen des heiligen Martin trägt. Das Ortswappen zeigt den golden gekleideten heiligen Martin
auf silbernem, rot gezäumtem Ross, wie er seinen rot gefütterten
Mantel mit dem silbernen Schwert für einen Bettler teilt. Geprägt
wurde die Geschichte des Dorfs durch den Weinbau und durch das Adelsgeschlecht Dalberg, das auf vielerlei Weise noch präsent ist: der Renaissancehof Dalberg in der Kellereistraße, das Doppelgrabmal für Hans und Katharina von Dalberg in der Kirche und die Kropsburg auf der
bewaldeten Höhe südwestlich von Sankt Martin. Die häufigsten Rebsorten sind heute: Riesling, Portugieser, Müller-Thurgau, Scheurebe, Dornfelder und Ortega.
Kropsburg Von der Kirche, die dem Ortsheiligen Sankt Martin geweiht ist, führt der mit der Markierung »Weintraube« bezeichnete Wanderweg Deutsche Weinstraße durch die Weinberge hinauf Richtung Kropsburg. Wer einige steilere Waldpassagen auslassen will, kann an der Totenkopfstraße rechts
auf den ausgeschilderten Wanderweg Richtung Kalmit wechseln; dieser Weg ist vergleichsweise bequem, führt jedoch bis zum Waldhaus Wolsel (Gasthaus) parallel zur Totenkopfstraße. Die in Teilen erhaltene Kropsburg wurde im 12. Jh. als Lehnsburg der Fürstbischöfe von Speyer errichtet und gehörte zum Burgenring um die Reichsfeste Trifels. Sie diente sowohl der Sicherung der Totenkopfstraße (ehemalige Römerstraße) als auch der mittelalterlichen Heerstraße, die am Bergfuß verlief, ebenfalls auf einer seit römischer Zeit genutzten Trasse. Lange Zeit war die Burg Sitz der Herren von Dalberg, 1689 wurde sie von Truppen des französischen Sonnenkönigs Louis XIV. zerstört, heute befindet sich hier eine Gaststätte. Im Umfeld der Kropsburg sowie in Sankt Martin selbst wurden im 20. Jh. mehrere archäologische Funde aus römischer Zeit entdeckt. Die aussagekräftigsten sind zwei beschriftete Altarsteine; aus den Inschriften geht hervor, dass die Soldaten unter dem Schutz der Gottheiten Diana und Apoll standen.
Ottilienberg Oberhalb der Kropsburg erhebt sich der Wetter- oder Ottilienberg (463 m), in dessen Nordflanke der Frauenbrunnen, der Hollerbrunnen und zahlreiche weitere Quellen zu Tage treten. Von der Kropsburg bei Sankt Martin leitet ein Kreuzweg im Wald steil aufwärts in Richtung der Ottilienkapelle auf dem Gipfel. Schon bald weist ein Schild rechts zur Mariengrotte, einer 1912 errichteten Nachbildung der Grotte von Lourdes mit efeuüberwachsenen Felsen. Von der stimmungsvollen Lourdesgrotte führt der Kreuzweg weiter zum Gipfel mit dem barocken Bildhäusel der heiligen Odilia und einer Kreuzigungsgruppe von 1755. Bänke laden an diesem friedlichen Ort zur Rast.
Frauenbrunnental Vom Ottilienberg leitet ein mit der Ziffer »14« markierter Hangweg sacht abwärts, der Blick geht zwischen
den Bäumen hinauf zur Kalmit, dann dringt das Rauschen des Frauenbrunnens herauf. Wenn in der Talschlusskurve oberhalb des Frauenbrunnens die Markierung »5« auftaucht, folgen wir dieser Markierung geradeaus und hören rechts den Frauenbrunnen, ein Ensemble mehrerer vor allem im Frühjahr stark schüttender Quellen.
Gleich darauf ist der Dichterhain erreicht: In einer Sandsteinfelswand wurden Porträtmedaillons der um Sankt Martin verdienten Dichter August Heinrich, Fritz Claus und Lina Sommer eingemeißelt. Hinter dem Dichterhain wechselt die Markierung »5«
auf einen Pfad und führt zu den Schwalbenfelsen hinauf, wo sich ein schöner Blick auf Sankt Martin, Edenkoben und das Rebland bietet. Oberhalb der Felsen mündet die mit der »5« markierte Wanderroute auf einen Forstweg und folgt ihm hinab Richtung Rasthaus an den Fichten. Wer nicht einkehren will, muss nicht ganz hinabgehen, sondern wandert links hinauf zur Sankt-Martins-Schutzhütte und von dort rechts zur Kirchquelle (Kropsbachquelle) und weiter durch die Wälder bis zur Totenkopfstraße.
Kalmit Nach Queren der Totenkopfstraße gehen wir wenige Meter auf der Straße Richtung Kalmit aufwärts, bis bei der Einfahrt zum Wanderparkplatz der alte Richtungsstein »Felsenmeer – Kalmit« und die Markierung »weiß-grün« in den Wald weisen
und dem Hüttenberg mit dem Felsenmeer zustreben. Der Hüttenberg, dessen Kamm an einer Schutzhütte erreicht wird, ist ein
steil nach Osten abfallender Kammausläufer der Kalmit. Schon beim Aufstieg zur Hütte fallen die mächtigen Felstrümmer auf, die seinen Westhang bedecken. Auf dem von Kiefern geschmückten »Felsenmeer«-Rücken führt die Markierung »weiß-grün« aufwärts. Das Felsenmeer entstand durch Frostsprengung und andere physikalische Verwitterung eines hier anstehenden, etwa 750 m langen Buntsandstein-Felsenriffs; die abgesprengten Felstrümmer gerieten in Bewegung und rutschten die Hänge hinab.
Schließlich erreicht der Wanderweg den Parkplatz am Ende der Kalmit-Stichstraße, wo auf einer Stufenanlage der Schlussanstieg zur Kalmit beginnt. Das Kalmithaus des Pfälzerwaldvereins ist in der Regel an Wochenenden und Feiertagen geöffnet und dann gut besucht; an anderen Tagen muss man sich die Brotzeit selbst mitbringen.
An der aussichtsreichen Terrasse des Kalmithauses beginnt der Rückweg: Rasch leitet die Markierung »rote Scheibe« abwärts, wenn sie im Sankt Martiner Tal den Bach überschritten hat, gehen wir parallel zur Totenkopfstraße weiter talwärts, und sind bald zurück am Ausgangspunkt in Sankt Martin.
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